Valchiavenna


Willkommen in Valchiavenna


Es handelt sich um merkwürdige Einschnitte in einr Felswand, etwa ein Dutzend Meter lang und acht Meter hoch, alles regelmässig mit dem Meissel ausgeführt. Man sieht rechtwinklige Vertiefungen von wechselnder Tiefe (zwischen 9 und 11 cm): eine Serie steigt links hoch nach Art einer Treppe, eine andere, weniger steile, befindet sich in der Mitte, während zwei Einschnitte sich über die Treppe nach oben verbinden; andere wiederum erkennt man isoliert in der unteren rechten Hälfte.
Noch im Jahr 1923 waren sechs Höhlen durch Steine verschlossen und stürzten dann ein. Geht man dort auf der Strasse vorbei, denkt man vielleicht an eine römische Art und Weise, die Felsen zu stabilisieren; oder aber an ein Heiligtum, vielleicht für den Gott Mitra, der bei uns im dritten und vierten Jahrhundert nach Christus verehrt wurde. Heute ist die vorherrschende Meinung diejenige, dass die Arbeit ausgeführt worden sei, um im Jahr 1822 den Gedenkstein für die erste Fahrstrasse über den Splügen aufzunehmen, welche zu jener Zeit fertiggestellt wurde.
Diese Hypothese wird bekräftigt durch eine Chronik des 19. Jahrhunderts.
Als im Jahr 1834 ein Hochwasser diesen Strassenabschnitt wegriss, wurde dieser auf halber Höhe wieder neu erbaut und der Gedenkstein dorthin verlegt, wo er heute verlassen in der Nähe der Ortschaft Stuzzo liegt. Die Leute der Gegend bezeichnen den Ort der Felseinschnitte mit scribàita.


La cuntràdä di spéc

Aus politischer Sicht ist das Bergell zweigeteilt. Oben die schweizerische Eidgenossenschaft, unten die italienische Republik. Diese mehr als tausendjährige Grenze ist gezeichnet durch die Flüsse Lovero e Casnaggina, die von den zwei Seiten in die Mera/Maira fliessen. Zwei Namen für denselben Fluss: der erste ist im italienischen Teil des Bergells gebräuchlich, der zweite jenseits der Grenze im bündnerischen Gebiet. Den Namen Maira finden wir jedoch auch in den mittelalterlichen Dokumenten von Chiavenna. Die letzte italienische Gemeinde, wenn man das Tal hoch fährt, ist Villa di Chiavenna mit seinen diversen Fraktionen; eine davon ist Case Scattoni. Beim Sitz der Gemeindeverwaltung lohnt es sich, die Staatsstrasse zu verlassen und zu Fuss ein Stück der sc-tràdä véggiä zurückzulegen, welcher in den Sechzigerjahren des letzten Jahrhunderts der Name “Via Verdi” verpasst wurde. Auf der von der Mitte des 19. Jahrhunderts datierenden Landkarte hiess sie “Strada regia della Valle”. Damals war sie die Hauptstrasse.
Sie windet sich durch eine doppelte Reihe von alten Häusern, erbaut oder wieder aufgebaut zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert. Das alte Kopfsteinpflaster wurde ersetzt durch kleine Zementblöcke. Auf dem ersten Abschnitt sieht man an der Strasse den Palazzo Salis, aus dem 18. Jahrhundert stammend, mit seinen von Stuck eingefassten Fenstern, sowie das ein Jahrhundert ältere Haus der Pollavini, auf welchem über dem Eingang das Wappen aufgemalt ist. Wenn man von hier aus nach links geht, gelangt man zu den “crotti” von Motta. Nach wenigen Schritten steht man vor einem gewaltigen erratischen Block, den die Gletscher zurückgelassen haben, al sasc del quartìin.
Der Mensch, wie die Murmeltiere auf den Alpen, hat darunter gegraben, um sich Platz zu verschaffen für die Herstellung von Wein (in der Nähe befindet sich ein alter Torkel, allerdings in schlechtem Zustand). Es war in einer dieser Höhlen, wo der Notar Giovanni Andrea Maraffio im Jahr 1698 eine Inschrift einmeisseln liess, welche leider nicht mehr vollständig ist: “Questo mondo è una scena che…”.
Merkwürdig ist die Datumsangabe: 5698 seit der Erschaffung des Menschen.
Kehren wir zurück zur Casa Pollavini und wenden wir uns nach rechts. Dort gelangt man in die cuntràdä di spéc. Woher dieser Name stammt ist nicht klar, auch nicht für die Einheimischen. Es handelt sich um eine Parallelstrasse zur sc-tràdä véggiä.
Es ist ein eindrucksvoller Ort, wo man die Luft anderer Zeiten einatmet. Die ländliche Pflästerung mit Steinplatten und daneben gesetzten Steinen; die Steinsitze: grosse Flächen, wo man das Gewicht der Tragkörbe und Brenten abstellen konnte, im September wurden sie auch gebraucht für die Schafschur; Hausfassaden mit sichtbarem, unregelmässigem Mauerwerk oder mit Kalk verputzt; gewölbte Unterführungen, auf welchen Gebäude stehen, welche die beiden Strassenseiten verbinden. Auch die Zeichen des Glaubens fehlen nicht: ein Kreuz aus Stuck, ein Fresko aus dem 16. Jahrhundert. Zwischen zwei Bögen, die von drei Säulenpaaren gestützt werden, ist links der Heilige Antonius der Abt dargestellt, der für die Gesundheit des Viehs angerufen wurde, und die thronende Muttergottes mit dem Kind, die zu einer Gläubigen hinschaut, die rechts aussen vor ihr kniet.
Wenn man dem Weg durch die Landschaft gefolgt ist, gelangt man wieder auf die alte Strasse zurück bei der cà del pìo, dem Haus des Pio Invernizzi. Es weist eine interessante Struktur mit ineinandergefügten Holzbalken auf. Auf der “ ” ist ein Teil der ländlichen Gebäude in einer perfekten Reihe von Dachvorsprüngen sichtbar, wie sie nur von grossen Architekten geplant werden können. Zu jener Zeit war dies einzig das Resultat einer spontanen Architektur, welche es verstand, mit der Umgebung zu harmonisieren.


”Quii che i ve’ e ent jiu’ in l’acqua…”

“... Qui che i vèe ent jiù in l’acqua...” ist ein farbiger Dialektausdruck, welcher die Idee des Ins-Wasser-Steigens wiedergibt.... So haben uns die Einwohner von Gordona stets genannt – seit wir vor einigen Jahren mit der Erforschung der wilden Wasser des Boggia begannen, des Wildbachs, der ihr Val Bodengo durchfliesst.
Ein einzigartiges Abenteuer, das uns die Entdeckung von Winkeln unglaublicher Schönheit ermöglichte, wo die hellen, geschliffenen Felswände sich mit wilden, schäumenden Wassern des Bachs verbinden. Hinunterschwimmen oder in einer natürlichen Rutschbahn flitzen, ab und zu auf die abgeschliffenen Felsen im Flussbett klettern, in Zweierreihe in die Wasserfälle steigen, in die tiefen Pfützen springen – das ist Canyoning. Canyoning ist ein einzigartiges Abenteuer im Herzen einer Landschaft, die grösstenteils noch unerforscht und wild ist – daher braucht es grossen Respekt für die Umwelt, in welcher wir uns bewegen; wir müssen uns die heiklen Gleichgewichte des Ökosystems der Canyons immer in Erinnerung rufen und uns entsprechend verhalten während unserer Entdeckertätigkeit und unserer Arbeit. Unsere Tätigkeit als Bergführer und Begleiter spielt sich ab in diesem Naturparadies der Val Bodengo, einem Canyon von seltener und wilder Schönheit, welches sich über sechs Kilometer erstreckt, von wenig ausserhalb des Dorfes Bodengo bis hin zur “Boggia beach “ von Gordona, wo der Fluss einen schönen Teich bildet, umgeben von dunklen Felsen und dem Grün der Bäume. Das Canyoning oder “Wildwasserfahren” ist eine wunderbare Art, die Aktivitäten im Freien zu geniessen, es ist ein ernsthaftes Spiel mit exakten Regeln, die es zu beachten gilt. Es ist Unterhaltung, Erforschen, aber in Sicherheit. Dafür lehren wir als Führer unsere Schüler die Techniken, wie man sich im Wasser und auf Felsen bewegt, wir begleiten sie und lassen sie teilhaben an den einzigartigen Gefühlen bei der Entdeckung des Flusses. Ausserdem versuchen wir, den Menschen, die mit uns den Boggio hinuntersteigen, den “Mikrokosmos” der Val Bodengo zu vermitteln, ihnen zu zeigen, wovon sie umgeben sind.
Wir vergessen auch nicht die guten Traditionen der einheimischen Küche, so dass nach der Rückkehr vom Canyoning die “fugascign” und ein Viertel Wein im Wirtshaus “Dunadiv” ein erfreuliches.