regioViamala


regioViamala Zwischen Felsen,
Wasser Und Natur


«Senkrecht umstarren die riesigen Granitwände den Pfad, den an manchen Stellen der Strasse selbst die Mittagssonne nicht erreicht, und tief unten durch zerklüftetes Gestein tobt und donnert der wilde Bergstrom, Fichten entwurzelnd, Felsblöcke wälzend, wie ein wütiger Titan, dem ein Gott zwei Berge auf die Brust geschleudert hat. Hierher scheinen sich die letzten, trotzigen Berge, die sich der allbezwingenden Herrschaft der Menschen nicht beugen wollten, geflüchtet und zu ihrer Freiheit Wahrung in Reih und Glied gestellt zu haben.» Der diesen romantischen Text geschrieben hat, war niemand anders als der spätere Philosoph und Politiker Friedrich Engels, als er 1841 - im Alter von 21 Jahren - erstmals die Viamala erblickt hatte, bezaubert «von der Steigerung des Alpengürtels», den er noch gleichentags überqueren wollte. Die Viamala bildet zweifellos den landschaftlich-topographischen Höhepunkt in den Hinterrheintälern, und sie gilt - neben der Teufelsbrücke am Gotthard und den Staubbachfällen im Berner Oberland - seit mehr als einem halben Jahrtausend als der malerischste und zugleich gefürchtetste Ort in den Alpen. Wohl nirgends in Graubünden treffen Felsen, Wasser und Natur in so spektakulärer Weise aufeinander, wie gerade in diesem sechs Kilometer langen Schlund, der zahlreiche Künstler und Literaten zu inspirieren und Millionen von Reisenden zu beeindrucken vermochte.
Auch wenn die Viamala unserer regio den Namen gegeben hat, so dürfen wir darob all jene prächtigen Landschaften nicht ausser Acht lassen, die vor und hinter dieser imposanten Schlucht liegen: der Heinzenberg mit seinen weiten Wiesenterrassen, einst vom französischen Herzog Henri de Rohan - gemäss dem Schweizer Dichter Conrad Ferdinand Meyer und bestimmt nicht umsonst - als «der schönste Berg der Welt» bezeichnet, das Domleschg, dank seines günstigen Klimas der grösste Obstgarten Graubündens und dank seiner bewegten Vergangenheit eine der burgenreichsten Regionen in ganz Europa, und sein Flecken Thusis, das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Mittelbündens, das Schamsertal (rom. Val Schons), die «grüne Mulde zwischen zwei Schluchten», mit der mittelalterlichen Kirche von St. Martin in Zillis und ihrer bemalten Holzdecke, einem Kunstwerk von Weltbedeutung, mit dem Schamserberg, «muntsulegl», Sonnenberg, genannt wird, sowie mit den bekannten Mineralbädern und Granitsteinbrüchen von Andeer,das Avers, die höchstgelegene ganzjährig bewohnte Gemeinde Europas, von den vor 700 Jahren aus dem Oberwallis eingewanderten deutschsprachigen Walsern in einer unverwechselbaren Weise geprägt,und schliesslich das Rheinwald, am Ursprung des Hinterrheins gelegen, um 1260 ebenfalls von den Walsern besiedelt, ein Tal, in dem neben der Berglandwirtschaft der Transitverkehr zwischen Italien und Mitteleuropa eine entscheidende Rolle gespielt what und immer noch spielt. Traditionsgemäss bildeten die Landwirtschaft, das Kleingewerbe und die Säumerei die Existenzgrundlage für die Menschen in unserer Region. Letztere hat zwar seit der Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Bedeutung verloren, aber an ihre Stelle ist der Tourismus getreten. Man darf ohne Übertreibung behaupten, in der regioViamala befinde sich die «Wiege» des modernen Bündner Tourismus: Mit der E1823) wurden nämlich die beiden Pässe Splügen und San Bernardino zu den beliebtesten Reiserouten in den Alpen.
Dies hatte u.a. den Bau von grösseren Hotels in Thusis, Andeer und Splügen zur Folge, die von nun an alljährlich Tausende von prominenten - und auch weniger prominenten - Gästen beherbergen konnten.Die regioViamala ist bestrebt, diese fünf Täler in ihrer Eigenart und ihrer Vielfalt zu erhalten, zu unterstützen und zu fördern. Gleichzeitig sieht sie sich auch als ein Bindeglied zwischen den Kulturen der Rheintal- Alemannen im Domleschg, den Rätoromanen am Heinzenberg, Domleschg und im Schams sowie den Walsern im Avers und im Rheinwald. Aufgrund einer einzigartigen historischen Substanz möchte sie dazu beitragen, einer unverwechselbaren Gegend in den zentralen Alpen die Zukunft so gut als möglich zu gestalten. Wir waren stets und sind heute noch eine Region mit «offenen Türen». Wir hoffen dies auch in Zukunft zu bleiben, vor allem auch gegen Süden, zu den italienischen Nachbarn hin, die unsere Täler mitgeprägt haben. Unseren Vorfahren wird es ja nicht anders ergangenen sein als dem bereits erwähnten Conrad Ferdinand Meyer, der 1885 während seines Splügen-Aufenthaltes erklärte: «Das Tal ist breit, vom Hinterrhein durchströmt, der Himmel schon südlich, die Luft frisch, aber mild.»